Direkt zum Hauptbereich

Der 130. Geburtstag Heinrich Georges

Er galt als einer der größten Schauspieler seiner Zeit: Der Stettiner Georg Schulz, ab 1932 amtlich lebend unter seinem Künstlernamen Heinrich George. Hier in der Odermetropole wurde er am 9. Oktober 1893 geboren, hier nahm er  später auch Schauspielunterricht, gab im Sommer 1912 sein Debüt in Kolberg mit einer Rolle als Oberkellner, war Mitglied im Verband der Vereine Deutscher Studenten (VDSt) Greifswald und sollte später auch in Stralsund vor der Kamera als Studiendirektor Brodersen in Max Dreyers Literaturverfilmung "Reifende Jugend" (1933) brillieren. 

Nicht zu vergessen ist eine Rolle in Alfred Döblins Literatur-Verfilmung "Berlin - Alexanderplatz" (1931) als unvergessener Franz Biberkopf. Doch er drehte auch Filme wie "Kolberg". - Das eigentliche Drama seines Lebens waren die Zeit und die Umstände in denen er lebte. George selbst meinte später in einem Verhör rückblickend: 

„Bis 1933 nahm ich teil an Aktionen der kommunistischen Partei und hatte engere Verbindung zu Schriftstellern aus dem kommunistischen Lager, darunter Bertolt Brecht, Johannes Becher, Ernst Toller und anderen. Ich spielte damals in demokratischen Filmen, ich war schon da einer der bekanntesten Schauspieler. 1933 kam Hitler an die Macht. Ich wurde vernommen und verlor meine Stellung. Ich hatte die Wahl, entweder auf meine Karriere zu verzichten und möglicherweise ins Gefängnis zu kommen oder mich irgendwie mit dem faschistischen Regime zu arrangieren.“

Dieses Arrangieren führte nach dem zweiten Weltkrieg zu mehrmaligen Verhaftungen. Am Ende starb er an den Folgen einer Blinddarmoperation am 25. September 1946 in einem Speziallager in Sachsenhausen. Durch Fürsprache eines Bewunderers seiner Spielkunst beim Lagerpersonal wurde er nicht in einem Massengrab beigesetzt. 1994 wurden seine Gebeine exhumiert, mittels eines DNA-Abgleichs mit den beiden Söhnen - dem Fotografen Jan George und dem Schauspieler Götz George - identifiziert und in einem Ehrengrab des Landes Berlin auf dem Friedhof Zehlendorf beigesetzt,   


Hier wohnte
der Schauspieler

Georg Schulz / Heinrich George
(* 9.10.1893 - † 25.09.1946)

Burscherstraße 34 / ul. Łokietka 34


Übersichtskarte von Stettin:

Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Auf dem Weihnachtsmarkt

Endlich! Am vergangenen Freitag wurde um 14 Uhr auch in Stettin der Weihnachtsmarkt eröffnet. Vom Venizianischen Reiterstandbild Colleonies erstreckt er sich nun über den pulsierenden ehemaligen Königsplatz mit seinem angrenzenden Kaufhaus „Galeria Kaskada“ bis hin zum Königstor mit seinem vom französischen Bildhauer Bartolomé Damart geschaffenen prachtvollen Portal, welches Friedrich Wilhelm I. in Erinnerung an die glückliche Einbindung Stettins in Preußen mit dem Frieden von Stockholm schaffen ließ.

Der Stettiner Hauptfriedhof

Er liegt relativ zentral und ist vom Berliner Tor innerhalb von 10 Minuten mit der Straßenbahn erreichbar: Der Stettiner Hauptfriedhof. Schon vor 100 Jahren galt die Anlage als einer der größten Friedhöfe der Welt. Und: Er hinterlässt auch für Touristen oder Tagesgäste, die eigentlich bisher wenig mit Stettin zu tun hatten, bleibende Eindrücke . erinnert er doch mit der monumentalen Wucht seiner Gebäude an beste Friedhofsgebäude Italiens - wie ein alter Friedhofsführer zu berichten wusste.

Ein Wal aus Stettin...

Zwei dampfbetriebene seegehende Eisbrecher gibt es noch in Deutschland, die "Stettin" und den "Wal". Letztere wurde bei den Stettiner Oderwerken mit der Baunummer "800" in Auftrag gegeben und lief in der Werft am 5. Mai 1938 vom Stapel, um sie am 20. Juni des gleichen Jahres beim Wasserstraßenmaschinenamt Rendsburg für den Eisbrechereinsatz auf dem Kaiser-Wilhelm-Kanal in Dienst zu stellten... Die Zeiten, die die "Wal" im 2. Weltkrieg erlebte, waren bewegt: So ging sie u. a. während einer Kesselreparatur in der Rostocker Neptunwerft nach einem Bombentreffer am 26. April 1942 auf Grund, wurde wieder gehoben und flott gemacht, um dann auch Verwundeten- und Flüchtlingstransporte von Danzig über die Ostsee in den Westen durchzuführen. In der Nachkriegszeit wieder auf dem Kaiser-Wilhelm-Kanal (ab 1948: Nord-Ostsee-Kanal) im Einsatz, half die "Wal" auch beim Aufbau Helgolands. 1990 außer Dienst gestellt, erwarb die Schiffahrts-Compagnie Breme...